Orgel
Seit über 100 Jahren
jeden Sonntag Orgel-Live Musik in der Todesfelder Kirche
Vor über 100 Jahren bekam die Kirchengemeinde Todesfelde ihre Orgel,
die zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahrzehnte kirchenmusikalischer
Geschichte hinter sich hatte.
Nach 42 Jahren sollte die 20 Register umfassende Orgel im Betsaal der
Herrnhuter Brüdergemeine einem neuen Instrument weichen und wurde zum
Verkauf angeboten. Diesem Umstand und der Aufmerksamkeit das damaligen
Pastors Heinrich Boysen in Todesfelde ist es zu verdanken, dass
schließlich im September 1907 auf der bis dahin leeren Empore der noch
relativ neuen Kirche in Todesfelde eine große Orgel mit einem
prächtigen Gehäuse zu stehen kam: Jenes 1863 in der Werkstatt des
Hoforgelbaumeisters Jahn in Dresden entstandene Instrument. Für damals
2000 Mark erstand die Kirchengemeinde das Instrument, das königliche
Konsistorium steuerte einen Zuschuss von 600 Mark bei. Nachdem die
Orgel schließlich mühsam errichtet worden war, konnte Pastor Heinrich
Boysen am 8. September 1907 vor den vierhundert versammelten
Gottesdienst- und Propsteimissionsfestbesuchern die Orgel einweihen. Er
schloss seine Weiherede mit den gereimten Worten:
Hinaus in die Gemein'
Und tön auch uns nun rein und hehr
Ins tiefe Herz hinein.
Wenn dankend wir vor Gott hintreten
Begleite unser frommes Beten.
Das walte Gott, der treue Herr
Und sprech sein Amen drauf,
Er stell den Segen um uns her
Und wehr des Unglücks Lauf.
Wir weih'n in des Dreiein'gen Namen
Die Todesfelder Orgel. Amen."
Auch über 100 Jahre später ist die Orgel in Todesfelde noch ein großer
Schatz für die Gemeinde. Gut einhundert Besucherinnen und Besucher
waren es am 2. September 2007, die sich zum Jubiläumsgottesdienst
eingefunden hatten, unter ihnen auch zwei Tauffamilien. Sie alle fanden
aus diesem Anlass eine veränderte Sitzordnung vor: Viele Stühle füllten
Apsis und Altarraum so, dass allen der sonst eher schwierige Blick
hinauf zur Orgel möglich war. Das, was gewöhnlich nur zu hören ist,
sollten alle während des Gottesdienstes einmal direkt vor Augen haben.
Die Orgel "erzählte" selbst ihre Geschichte und ihren Weg per
Eisenbahnwaggon nach Segeberg. Dort packte und stapelte man sie auf
zwei Möbel- und einen Rollwagen, die sie - von insgesamt acht Pferden
gezogen - nach Todesfelde brachten. Dann erlebte sie die dreieinhalb
wöchigen Aufstellarbeiten und vorläufige Stimmung durch Fachkräfte der
Firma Marcussen aus Apenrade und schließlich das große Einweihungsfest.
Damals waren es "die beiden hiesigen Lehrer Schütt und Seismann, die
der größten Errungenschaft unserer Kirche seit ihrer Einweihung zur
Freude der Gemeinde die ersten festlichen Töne entlockten" , so ist der
Chronik zu entnehmen. Was die Orgel erst zum Klingen bringt, ist der
sog. Orgelwind. Welch ein eindrückliches Bild für den Heiligen Geist,
der uns Menschen mit Leben erfüllt und zu lebendigem Tun in Stimmung
und in Bewegung versetzt.
Schon seit über zwanzig Jahren spielt Kirchenmusikerin Renate Stahnke
auf der inzwischen durch ein "Trompetenregister" und
eine "Gambe" erweiterten Orgel.
Mit alten Chorälen, neuen Liedern, einer Demonstration der
verschiedenen Klangfarben unterschiedlicher Register und drei
wunderschönen, von Orgel und Oboe begleiteten Arien zu Psalmtexten
wurde der Gottesdienst zu einem festlich-fröhlichen Er- lebnis. Gott
hat sich das so ganz gut ausgedacht und uns dieses Wunder geschenkt,
dass wir Menschen singen und musizieren können.
Dann jedenfalls hört sich das, was er von uns zu hören bekommt,
allermeistens richtig gut an.
Der Originaltext aus der Chronik:
"Die größte Errungenschaft unsrer Kirche seit ihrer Einweihung
ist die Orgel, die am 8. Sept. 1907 in Verbindung mit dem
Propsteimissionsfest eingeweiht wurde. ... Die Orgel ist im Jahre 1864
vom Hoforgelbauer Jahn in Dresden für die Brüdergemeine in Herrnhut in
Sachsen erbaut und hat dort 42 Jahre gedient. Im Oktober 1906 wurde bei
Gelegenheit einer Missionskonferenz in Herrnhut, an welcher der hiesige
Pastor teilnahm, die Orgel zum Verkauf angeboten. Die Kirchenvertretung
beschlosz den Kauf einstimmig, da die zwanzigstimmige Orgel mit 2000 M
sehr billig erschien und uns ein Gutachten des staatlichen
Orgelrevisors Röder in Lauban den Wert der Orgel bestätigte. Das
Königliche Konsistorium gab eine Beihilfe von 600 M, womit annähernd
die Aufstellungs- und Transportkosten gedeckt sind, während die 2000 M
angeliehen sind. Die Orgel traf nach vielen gewechselten Briefen am 11.
August in Segeberg in einem ganzen Waggon ein, wurde am 13. ausgeladen
und am 14. mit 8 Pferden in zwei Möbel- und einem Rollwagen
hierherausgefahren. Zwei Montöre der Orgelbauanstalt Marcussen und Sohn
- Apenrade (Inhaber Zachariassen) haben 3½ Woche zur Aufstellung und
vorläufigen Stimmung gebraucht.
Der Einweihungstag, vom schönsten Wetter begünstigt, vereinigte über
400 Besucher in unsrer Kirche, die Orgel wurde von den beiden hiesigen
Lehrern Schütt und Seismann gespielt zur Freude der Gemeinde. Die
Weiherede des Ortspastors, welche den Wunsch aussprach, dasz mit der
Orgel etwas vom Herrnhuter Geist, Kirchlichkeit, lebendiger Glaube in
unsre Gemeinde einziehen möge(,) klang in die Worte aus:
Hinaus in die Gemein'
Und tön auch uns nun rein und hehr
Ins tiefe Herz hinein.
Wenn dankend wir vor Gott hintreten
Begleite unser frommes Beten.
Das walte Gott, der treue Herr
Und sprech sein Amen drauf,
Er stell den Segen um uns her
Und wehr des Unglücks Lauf.
Wir weih'n in des Dreiein'gen Namen
Die Todesfelder Orgel. Amen."


